Glückliche Prüfer und Prüflinge, vordere Reihe v. l. Tobias Högerl, Julian Beitzel, Regine Häfner, Sven Jungnickel

Wie in anderen Budo-Disziplinen gibt es im auch Aikido eine Rangfolge der Schüler- und Meistergrade. Aikido ist eine japanische Kampfkunst und kein Kampfsport, was sich auch darin zeigt, dass es bei uns keine Wettkämpfe gibt. Das Erlernen der Techniken erfolgt immer im gemeinsamen partnerschaftlichen Üben auf der Matte.

Somit sind die Gürtelprüfungen eigentlich die einzige Möglichkeit, die erlernten und antrainierten Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Für die Prüflinge ist das immer mit einer großen Aufregung verbunden, die sich bereits bei der ersten Prüfung zum 5. Kyu (Gelbgurt) zeigt und die auch bei den späteren Prüfungen kaum nachlässt.

Als Mitglieder im Deutschen Aikido Bund müssen wir uns natürlich auch an die im Verband vorgegebene Prüfungsordnung halten. Das bedeutet, dass bei jeder Prüfung zum nächsthöheren Grad zunächst eine so genannte Fachüberprüfung erfolgt, in der die Techniken bis zum momentanen Grad nochmals abgefragt werden. Nur wenn auch hier die Umsetzung der „alten“ Techniken dem angestrebten Grad entspricht, erfolgt die eigentliche Gürtelprüfung. Später kommen noch weitere Prüfungsfächer wie Theorie (schriftlich und mündlich), Randori (freie Verteidigung) und verschiedene Katas hinzu.

Das Prüfungsprogramm zum 1. Dan Aikido ist somit schon recht umfangreich. Um den Prüfungsstress ein wenig zu entzerren, entschlossen wir uns, an einem Wochenlehrgang mit anschließender Dan-Prüfung teilzunehmen. Das brachte uns einige Vorteile.

Zunächst war man einmal aus dem normalen Alltag heraus und konnte sich voll auf das Training konzentrieren. Man lernte im Lauf der Woche die Prüfer kennen und konnte deren Anregungen dankbar entgegennehmen.

Der wichtigste Vorteil war aber, dass Fachüberprüfung, Theorie und Dan-Prüfung an verschiedenen Tagen durchgeführt wurden.

Der Wochenlehrgang fand Anfang Juli im Leistungszentrum Herzogenhorn im Schwarzwald statt. Lehrgangsleiter war Hubert Luhmann, 7. Dan Aikido, den wir bereits bei einem Lehrgang im Rahmen der Prüfungsvorbereitung kennengelernt hatten. Inmitten einer herrlichen Bergkulisse, bei wunderschönem Wetter, gemäßigten Temperaturen und einer sehr guten Verpflegung ließ es sich wunderbar trainieren.

Jeden Tag gab es drei Trainingseinheiten und schnell wurde uns klar, dass wir Prüfungskandidaten ab der ersten Minute auf der Matte unter Beobachtung der Prüfer standen. Das trug natürlich nicht gerade dazu bei, die Anspannung zu vermindern aber wir bekamen auch sehr viele gute Tipps, die wir gar nicht alle so schnell umsetzen konnten. Insgesamt waren die Prüfer sehr wohlwollend und nett zu uns.

Während die „normalen“ Lehrgangsteilnehmer ganz gelassen abends die laufende Fußball-EM verfolgten und sich in der Wirtschaft mit alten Bekannten trafen, büffelten wir die Theorie und gingen gedanklich die Techniken durch. Richtig zur Ruhe gekommen sind wir eigentlich kaum.

Dienstags mussten wir in der Fachüberprüfung die Techniken bis zum Braungurt zeigen und dabei unter Beweis stellen, dass wir auch diese Formen entsprechend des angestrebten Meistergrades beherrschen. 

Am Mittwochabend wurde die Theorie abgefragt, wobei wir zunächst 30 Minuten über ein vorgegebenes Thema schreiben mussten und anschließend über ein anderes Thema einen freien Vortrag hielten. Als auch das geschafft war, fiel doch zumindest ein Teil der Anspannung ab.

Als Besitzer einer Übungsleiter-Lizenz war Julian von diesem Teil befreit.

Freitag war der große Tag. Insgesamt waren 12 Prüflinge angemeldet, die nun in drei Gruppen aufgeteilt wurden. Wir Münchner kamen in die letzte Gruppe, so dass wir eigentlich den ganzen Tag lang der Prüfung entgegenfieberten.

Erstes Prüfungsfach war die Kata, die uns zwar körperlich nicht so viel abverlangte aber dafür vollste Konzentration erforderte.

Dann wurden die Techniken zum 1. Dan abgefragt, wobei wir schon ordentlich aus der Puste kamen.

Richtig anstrengend wurde es beim Randori. Hier konnte der Angreifer (Uke) frei aus verschieden Schlagangriffen wählen und wir mussten uns als Nage flüssig und dem Angriff angepasst verteidigen. 

In unserem Dojo wird ein solches Randori ca. eine Minute lang durchgeführt – was für den Angreifer auch durchaus ausreichend ist. Schließlich ist er die ganze Zeit nur mit Angreifen, Rollen und Aufstehen beschäftigt. Bei der Prüfung ging das dagegen so lange, bis die Prüfer merkten, dass dem Uke die Luft ausging.

Weil sich Tobias und Julian gegenseitig als Uke und Nage zur Verfügung standen, war das für die beiden natürlich noch anstrengender als für alle anderen.

Ich hatte dagegen das Pech, dass für Prüfung und Randori ein anderer Uke einspringen musste, an den ich mich so schnell nicht komplett anpassen konnte. Das wurde aber von den drei Prüfern berücksichtigt.

So konnten wir alle drei ziemlich erledigt aber überglücklich unsere Urkunde in Empfang nehmen. Ralf Salfer, 3.Dan und langjähriges Mitglied unserer Aikido-Abteilung überreichte uns anschließend die schwarzen Gürtel und den schwarzen Hakama als Geschenk der Abteilung zur bestandenen Prüfung. 

An dieser Stelle möchte im mich auch im Namen von Julian und Tobias ganz herzlich bei all unseren Lehrern bedanken, die uns auf unserem Weg vom Weißgurt bis zum 1.Dan begleitet und gefördert haben. Unser besonderer Dank gilt dabei Wolfgang Schwatke, 6.Dan und Ralf Salfer 3.Dan, die uns in der Vorbereitungszeit mit Rat, Tat und viel Engagement zur Seite standen.